Tongan Kava

Tongan Kava (Kava Kava) wird hergestellt aus den trockenen Wurzeln des Pfefferbaumes ( Piper Methysticum ) und diente auch hier zu Lande der Pharmaindustrie zur Herstellung von Schlaf.- und Beruhigungsmittel und dem Drogenentzug. Schaedliche Nebenwirkungen wie Leberschaedigung sind bekannt, Arzneimittel mit Kavawirkstoffen sind, glaube ich nicht mehr am deutschen Markt zu finden.

Ich habe in Tonga verschiedenen Arten der Zubereitung gesehen und getestet und bin der Meinung, das die traditionellste Form nur in einem Kava Club zu erfahren ist.

In der traditionellen Form wird die Kava Wurzel ja nach benoetigter Menge zwischen zwei Granitsteinen zerschlagen und das somit  entstandene Pulver sowie Wurzelgewebe in einen Leinensack gefuellt und verknotet.

Die Kavaschale (Kumete) ist aus einem Stueck Holz (haeufig vom Kasia Tree)  mit vier runden Beinchen gefertigt. Die Kumete wird nun mit Wasser gefuellt ( ausschliesslich Regenwasser ) und darin wird nun der Leinensack unter leichter Bewegung des Wassers ausgewrungen. Nach einiger Zeit entsteht nun eine milchige Fluessigkeit, zu vergleichen mit Pernot Cola, falls sie das kennen.

Historische Kava Zeremonie

Zum Geschmack waere zu sagen, das es sehr fade schmeckt und einen leicht betaeubenden Effekt auf Zunge, Zahnfleisch und Lippen hat, je nach Staerke und Menge, die man zu sich nimmt, die Pharmacie spricht von einem  Zustand des Tagtraeumens.

Tongan Kava wird ausschliesslich von Maennern getrunken und in vielen Clubs von jungen, huebschen Maedchen (tou'a), in halben, polierten  Kokosschalen (Ipu)  gereicht.

Normalerweise sitzen die Maenner im Kreis und reichen sich die Schalen gegenseitig weiter, oder fordern sich durch klatschen in die  Haende, oder auf den Boden einen neuen Drink.

Tongan Kava wird eine hohe gesellschaftliche,  traditionelle und zeremonielle Rolle eingeraeumt.

Das Zusammensitzen der Maenner kann ueber viele Stunden  dauern, fuer mich als ungeuebten Fussbodensitzer im Schneidersitz waren es schon riesige Schmerzen im Steissbeinbereich, aber ich habe zwei Abende von etlichen Stunden als Gast ueber die Runden gebracht, zumal es Ansehen bringt Kultur anzuerkennen und man nur so an Informationen kommt, die das Leben , oder das Village (Dorf) betrifft. Gesprochen wird nur in Tongan, es ist aber kein Problem jemanden einzuladen, der english spricht und dann dolmetschen kann. Im allgemeinen wird ueber alltaegliches gesprochen, oder abwechselnd von Vergangenem, von verehrten Maedchen, oder Blumen gesungen.

Ich bin sicher, das in Kavarunden schon Politik gemacht wurde und auch heute noch gemacht wird.

Kava ist ueberall in der Suedsee und sogar in Asien zu finden. Er ist so populaer, das er von Fiji und Tonga nach Uebersee exportiert wird, um den Bedarf der Insulaner in Amerika, Australien und New Zealand zu decken.

Der Preis der Wurzeln liegt bei T$ 12.- per Kilo, fein gemalenes Pulver ca. 18.- T$ per Kilo.

Allein auf Tongatapu habe ich 52 Clubs mit durchschnittlichem Verbrauch von 5 kg pro Nacht gezaehlt, vermutlich ist die Zahl weitaus groesser und der private Verbrauch ist nicht beruecksichtigt.

Die Clubs werden demokratisch gefuehrt, von einem Vorsitzendem und einem Sekretaer. Bei Neuzugang wird ueber den Eintritt  abgestimmt. Gaeste sind willkommen und zahlen den ueblichen Betrag von 2.- Pa´anga.

Die Zubereitung und das Ausschenken wird in einigen Clubs von den Mitgliedern selbst uebernommen und dafuer erhalten sie, wenn sie dran sind 55 Seniti vom Beitrag eines jeden Mitgliedes. Der Club der katholischen Kirche in meinem Village Houmakilikao macht jeden Samstag ab ca. 8 PM (20:00 Uhr) seine Kavanacht.

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